Carsten Linnemann (MdB) zu Gast beim AcKerLand

Der Arbeitskreis Land beschäftigt sich seit dem letzten Jahr mit dem selbst gewählten Schwerpunkthema „Ethik und Landwirtschaft“. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung innerhalb des Arbeitskreises hat es im vergangenen Jahr bereits eine Podiumsdiskussion gegeben. Um auch die Sicht der Politik auf dieses Thema wahrzunehmen, traf sich der Arbeitskreis am 10. März in Scharmede mit Carsten Linnemann, Mitglied des Bundestages und Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, der gebürtig aus Paderborn kommt und seinen Wahlkreis auch hier hat.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde starteten wir direkt mit dem Gespräch. Themen wie der Strukturwandel und das Wachstum wurden aus Sicht der Landwirtschaft erläutert und in den Vergleich zur allgemeinen Wirtschaft gestellt. Linnemann erläutert, dass diese nicht allgemein betrachtet werden kann, da es sehr unterschiedliche Branchen gibt. Das Internet hat z.B. in der Elektrobranche oder im Handel zu einem deutlichen Strukturwandel (sinkende Anzahl an Unternehmen) geführt. Bei der Diskussion des Wachstums wurden auch die ethischen Aspekte angesprochen. Wie kann Wachstum nachhaltig und sozial gerecht gestalten werden? Grundsätzlich gibt Linnemann die Rückmeldung, dass ohne Wachstum ein ausgedehntes Sozialsystem nicht möglich wäre und die soziale Sicherung abfallen würde. Somit ist das Wachstum an sich nicht verwerflich, sondern notwendig. Jeder Betriebsleiter strebt eine Gewinnmaximierung an. Wenn es aber in Richtung maßloses Wachstum geht, muss die „soziale Kontrolle“ einspringen, die vor allem bei mittelständischen Betrieben greift (Jeder kennt jeden). Bei großen, öffentlichen Unternehmen ist es aber sehr schwierig, da sollte es einen Appell an den „ehrbaren Kaufmann“ geben. Politische Regulierungen hält Linnemann für nicht sinnvoll, es gibt leider aber auch noch keine pauschale Lösung, wie man rücksichtsloses Wachstum eindämmen kann.

Nach einem kleinen Exkurs in die allgemeine Wirtschaft führte das Gespräch wieder in die Landwirtschaft zurück. Wir haben Linnemann die Frage gestellt, ob einem Landwirt überhaupt noch eine Wahl bleibt, ob er wachsen möchte oder nicht. Die Politik zwingt einerseits durch Regularien und hohe Auflagen die Betriebe zum Wachstum (z.B. tägliche Zählpflicht bei Geflügel, hohe bauliche Auflagen beim Stallbau), prangert aber andererseits die Massentierhaltung, das Wachstum und die industrielle Landwirtschaft an. Wollen kleinere Betriebe modernisieren, sind sie meist nicht mehr wirtschaftlich bzw. rentabel und müssen „größer“ denken und handeln. Linnemann äußert sich sehr klar zu der Thematik und unterstreicht, dass die Vorschriften und politischen Regulierungen oft realitätsfremd sind, und findet, dass die bäuerliche Landwirtschaft grundsätzlich erstrebenswert ist. Zum Schluss bedankt sich der AcKerLand herzlich bei Carsten Linnemann für das sehr nette und aufschlussreiche Gespräch.

Im Anschluss hat der Arbeitskreis noch am 4. Zukunftsforum Landwirtschaft „Vom Lebensmittel bis zum Tierschutz – Landwirtschaftspolitik im Deutschen Bundestag“ mit Gitta Connemann, stv. Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Ernährung und Landwirtschaft, teilgenommen.

Habt auch Ihr mal Lust, euch aktiv in den Bereichen der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes zu engagieren? Dann kommt doch einfach beim nächsten Treffen des AcKerLands vorbei. Nähere Informationen erhaltet Ihr dazu von Katrin Agethen (k.agethen(at)kljb-paderborn.de).